Aus gegebenem Anlass, wird es für mich Zeit diesen Beitrag zu verfassen. Ich Folge keinem bestimmten Plan beim Erstellen der Beiträge.

Ich bearbeite was gerade anliegt, an was ich erinnert werde und folge meiner Intuition. Für manche Beiträge ist es einfach noch nicht die Zeit. Aber für Folgenden.
Vor ein paar Tagen habe ich eine gute Freundin besucht. Tatsächlich habe ich den Wohnort meiner Freundin gemieden, da ich mit den vielen vielen Erinnerungen nicht umgehen konnte. Sie wohnt einen Ort neben dem Ort, an dem unser Hausbrand passiert ist. Dort bin ich durchgefahren und schon auf dem Weg dort hin, kamen viele schmerzliche Erinnerungen hoch. Es fühlte sich aber danach an, kurz anzuhalten und das wieder aufgebaute Haus zu betrachten. Schon als ich das treffen bei meiner Freundin zu Haus ausgemacht habe, hatte ich das Gefühl das etwas verarbeitet werden möchte.

Wie ich schon länger weiss, wird Angst durch handeln besiegt.

Es war ein seltsames Gefühl. An diesem Ort ist soviel passiert und nun sieht das Haus aus als wäre nie etwas geschehen. Tatsächlich habe ich als Bilder- Junkie, Fotos gemacht. Meinen Spleen von allem und jedem Fotos zu machen, kommt auch tatsächlich von dem Hausbranderlebnis. Aber oft genug war es schon hilfreich das ich von allem und jedem Fotos mache.
Kleiner Auszug aus dem Beitrag „zu meiner Wenigkeit

Zwischenzeitlich hat meine Mutter ihren 4. Ehemann geheiratet und wir sind zu ihm gezogen. Mein Stiefvater war psychisch Krank (was nicht weiter verwunderlich war bei seiner Lebensgeschichte… nur mal so am Rande). Irgendwann sass er völlig fertig mit der Waffe am Kopf vor uns. Schlimmeres konnte verhindert werden, aber ab da befand sich der Schlüssel vom Waffenschrank in meiner Unterwäscheschublade (da mein Stiefvater im Gegensatz zum Ex-Lebensgefährten meiner Mutter, dort sicher nicht dran gehn würde) und die Bilder in unseren Köpfen…

Nicht lang nach der „Waffe-am-Kopf-Sache“ brannte unser Haus in dem wir zur Miete wohnten ab und wir waren ca. 6 Wochen ohne Wohnsitz. Für meinen Stiefvater war es mittlerweile der 3. Hausbrand und beim ersten mal kam sein Kollege und guter Freund beim Brand ums leben. 

Heute erinnern nur die verschieden farbigen Schieferplatten an der Aussenseite des Hauses an den Brand.

Auf den Bildern oben zu sehen ist das wieder aufgebaute Haus.

Damals sah das Ganze etwas anders aus.

Von Aussen zwar erkennbar aber keiner kann sich vorstellen welchen Schaden das Feuer im inneren des Hauses verursacht hat.

Die Fenster waren überwiegend raus gesprungen wegen der enormen Hitze und vom Dach, wie vom Dachboden waren so gut wie nichts mehr übrig.

Bild: (links meine Stiefschwester, rechts daneben mein Stiefvater mit meiner Mutter und rechts ich, in den Trümmern im ersten Stock. Wegen der Einsturzgefahr durften nur meine Stiefschwester und ich hoch in die Trümmer, da wir von uns allen das geringste Körpergewicht hatten und die einsturzgefahr am geringsten war. Dort war fast nichts mehr von unseren Sachen zu retten.

Nun waren wir Obdachlos und lebten vorübergehend bei Freunden und Bekannten die uns Unterschlupf boten bis wir zu 5. in einer 1 Zimmer Ferienwohnung einen Ort weiter untergebracht wurden.

Ich weiss nicht mehr nach wieviel Tagen wir das erste mal ins Haus durften.

Wie erwähnt, durften nur meine gleichaltrige Stiefschwester und ich bis unters Dach. Dort habe ich auch folgende Fotos machen können

Die Tür war völlig verschwunden/ weg gebrannt.

von der Mittleren Etage konnte man durchschauen bis in den Himmel (wenn das Dach nicht mit einer Folie abgedeckt gewesen wäre)

Heute Frage ich mich „Wozu die Folie?“, „Damit das Haus nicht Nass wird?“.

Das Löschwasser hatte alles Zerstört was es vor dem Feuer gerettet hatte. Egal was man anfasste, alles war voll mit Wasser, Asche und/ oder Rus.

wir wussten nicht genau was auf uns zukommt und es war der blanke Horror.

Wir sahen die Treppe zum Dachgeschoss (Fotos) und wurden überwältigt. Die Treppe nach Oben konnte man nur noch mit Mühe erkennen. Noch heute kann ich mich nur zu gut an die Angst und Hoffnungslosigkeit erinnern die glaube ich nicht nur ich gefühlt habe. Mir zieht es noch heute den Magen zusammen wenn ich die Bilder sehe.

Der Treppenaufgang  von Oben

 

Es war wirklich nicht mehr viel Übrig. Zu sehen waren blanke Balken, die Kupferdrähte aus sämtlichen Kabeln und die Folie die das Dach abdecke, bzw. das was davon übrig geblieben ist.

Meine Schwester und ich pflegen noch heute einen durchaus gesunden „Galgenhumor“. Vollig schockiert standen wir da und kamen beide zu dem Entschluss das wir schon immer ein Dachfenster wollten… Aber das hatten wir uns schon irgendwie anders vorgestellt.

Das Zimmer meiner zwei Stiefschwestern. Dort stand der Fernseher der Implodiert ist und wärend dem Betrieb anfing zu brennen. Vor dem Brand standen dort massivholz Möbel und ein Schlafsofa.

Schnell haben wir auch die Illusionen aufgegeben das wir da noch was retten könnten.

Als es anfing zu brennen hatte meine Schwester noch versucht zu löschen..

Der Eimer stand auch noch im Bad im Waschbecken, wo sie ihn gelassen hatte, als sie bemerkte das Löschen keine Option mehr war.

Meine gleich altrige Stiefschwester ist noch heute meine Heldin, auch wenn ich es ihr nie gesagt habe.

In der Situation als unsere kleine Schwester runter kam und versuche mitzuteilen das oben der Fernseher in Flammen steht und sie nur noch einen lauten Knall hörte, rannte sie nach Oben ins Stockwerk auf dem es brannte, versuchte das Feuer zu löschen, sah das es nichts brachte, rief die Feuerwehr und war so geistesgegenwärtig nochmal hoch zu laufen um unsere 2 Katzen zu retten. Sie kroch am Boden entlang weil sie sonst überhaupt nicht hätte atmen können und versuchte die Katzen zu retten. Den trotteligen Kater hatte sie mit in sicherheit genommen und unsere fette alte Katzendame konnte man schon ohne Hausbrand nicht wirklich einfangen.

Meine Schwestern warteten auf dem Innenhof auf die Feuerwehr. den Kater hatten sie gerettet und von der katze fehlte jede Spur.

An dieser Stelle möchte ich meiner lebensrettenden Schwester sagen das sie Grosses geleistet hat. Ich finde sie hat für ihre mutige Tat niemals ausreichend lob und anerkennung bekommen. Immer wieder wurde ihr durch die Familie signalisiert das sie weniger Wert ist. Ich finde sie ist eine wundervolle Person und das soll sie wissen.

Geh weiter deinen Weg und lass dich nicht davon abbringen. Egal was andere sagen, du bist eine wundervolle starke Person und ich bewundere dich das du dein Leben so meisterst, auch wenn wir seit längerem keinen Kontakt mehr haben, denke ich sehr oft an dich, und wünsche dir das Beste ❤

Wieviel kann man in einem Leben aushalten? Wieviel muss man ertragen?

Machen wir weiter mit Bildern.

Meine Zimmertür war aus massivem Holz und brannte daher weniger schnell durch. Die Möbel waren noch da, aber was Schmilzen konnte, schmolz und das Löschwasser durchtränkte Matratze, sowie auch die Zimmerdecke, so dass diese runter kam.

Aber nicht nur in der oberen Etage hatte das Löschwasser schaden angerichtet.

Das geringste Übel war das Wasser in sämtlichen Lampen. Da im ganzen Haus kein Strom mehr war, machte das Wasser in den Lampen den Bock auch net mehr fett.

Die Decken im ersten Stock hingen vom gewicht des Wassers durch und die Deckenverkleidung kam runter.

Wie man auf den Bildern sehen kann, kam auch in den Praxisräumen meines Stiefvaters im Erdgeschoss die Decke runter. Hygienisches arbeiten konnte da nicht mehr garantiert werden.

Gardinen, Bettwäsche, Handtücher, alles verbrannt, oder vom Löschwasser für die Ewigkeit unbrauchbar gemacht. Wir haben versucht alles zu Waschen, der Rus war einfach nicht raus zu bekommen und dieser ekelhafte Hausbrandgeruch auch nicht.

Die Bettdecken die in Flammen standen, wurden ausgeschüttelt und im Vorgarten sah es aus wie in einem billigen Abklatsch von Frau Holle.

Notiz am Rande, der Kopf im Vorgarten ist ein Übungskopf von meinem Bruder der Frisör gelernt hatte zu der Zeit.

Aber auch so schon genug Drama für ein Leben.
Die Versicherung machte uns danach noch lange Probleme. Klar denn sie wollten nicht Zahlen. Sie fragten wieso wir nicht die Gardinen im unteren Geschoss verwenden können.

Dank meiner Bilder hatten wir nach der Hausräumung, genügend Beweise das nichts mehr zu gebrauchen war.
Wir bekamen viel gespendet, auch an Kleidung. Man lernt mit wenig auszukommen wenn man nichts mehr hatte ausser der Kleidung die man trug.

Keine Zahnbürsten, keine Unterwäsche. Keine Handtücher, keine wichtigen Dokumente wie Impfpass und auch viele Erinnerungen an Fotos waren weg.

Das Leben um uns rum stand aber nicht still. Wir hatten Verpflichtungen (Arbeit, Schule etc.)

Die Zeiten waren hart für uns alle. Unsere Eltern mussten wieder arbeiten und hatten einen haufen Bürokratischen scheiss zu klären. Wir mussten wieder in die Schule und jeden Tag fiehlen uns neue Sachen auf die nicht mehr da waren. Schulzeug, und sei es noch der kleinste Radiergummi. Aber wir waren nicht undankbar. Wir waren froh das wir es überstanden hatten. Obwohl es schon eine ziemliche herausforderung war ohne Schulsachen, Notizen, Hefte etc. für bevorstehende Arbeiten zu lernen.

Aber auch das haben wir überstanden.

Einige Zeit wussten wir nicht wo unsere Katze war. Den genauen Zeitraum weiss ich nicht mehr. Es war eine gefühlte ewigkeit. Waren aber glaub ich 2 Wochen. Wir stellten eine Lebendfalle auf und tatsächlich war nach ein paar weiteren Tagen unser geliebtes Katzentier wieder da ❤

Das Haus musste entrümpelt werden. Einen Teil haben wir selbst gemacht, den Rest hat dann eine Umzugsfirma entsorgt.

Als das Geld von der Versicherung kam blieb nichts grossartig über. Dank der Hilfe die wir bekamen, hatten wir aber das nötigste um zu Leben.

Es ging aber auch ewig weiter mit den Kosten für die Unterkunft und neue Sachen die angeschafft werden mussten.

Wir fanden ein Haus wo wir mit 5 Personen Platz fanden. Das Leben ging weiter. So wie es immer irgendwie weiter geht. Es wurde darum gestritten wer die Unterkunft für die 6 Wochen in der Ferienwohnung übernimmt. Zwar war geklärt worden das wir dort unter kommen können, aber nicht wer dafür Zahlen muss.

Bis heute Frage ich mich immer wieder „Wieso ich?“.. ich kann nur für mich sprechen in diesem Fall aber wie viel kann ein Mensch in einem Leben ertragen.

Aber es ging weiter und es wird immer weiter gehen.

Dazu kam kurz drauf noch das ich in einem Modegeschäft geklaut habe und erwischt worden bin. Jaja… ich hab mich nicht grade wie der Stolz der Familie gefühlt. Aber für mich rechtfertigte der Hausbrand meine Tat. Ich bekam 60 Arbeitsstunden die ich ableisten musste und somit hatte sich die Sache mit einem Jahr Hausverbot erledigt. Für uns alle waren es beschissene Zeiten.

Aber auch das alles haben wir Überstanden.

Ich habe in meinem Leben so viel Erfahrungen gesammelt durch all das was passiert ist. Ich bin Müde vom Leben.

Aber ich bin auch Dankbar für das was ich lernen durfte.

Egal wie beschissen es war, durfte ich sehen das wild fremde Menschen uns halfen mit dem wie sie uns helfen konnten.

Ich glaube immernoch an das Gute im Menschen. Und ich finde man sollte niemals aufhören Dankbar zu sein für das was man hat.

Wie mir mein Leben zeigt, schlimmer geht immer.

Aber was wir uns bewahrt haben ist unseren Humor.

Wie meine Oma immer sagte:

„Humor ist der Knopf der hält, wenn der Kragen platzt.“

https://youtu.be/s5BJXwNeKsQ


Now some say life will beat you down
Yeah, it will break your heart, steal your crown
So I started out for God knows where
But I guess I’ll know when I get there


I’m learning to fly but I ain’t got wings
And coming down is the hardest thing…

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