Die letzten Wochen beschäftige ich mich mit meinen Blockaden bzw. diese zu erkennen. Bisher war es mir nicht bewusst das ich welche habe bzw. habe ich nicht erkannt in wievielen Bereichen im Leben sie mich begleiten.

Egal ob die Tatsache, dass ich erfolg mit meinem Kleingewerbe habe und plötzlich wieder alles zusammenbricht, Freundschaften plötzlich nicht mehr aufrecht erhalten kann bzw. ihnen nicht mehr gerecht werden kann, oder Beziehungen in denen ich mich plötzlich auch für mich völlig fremd verhalte, weil ich Gefühle entwickel und damit nicht umgehen kann, aus der Angst heraus, dass sie nicht erwidert werden könnte.

Plötzlich ohne ersichtlichen Grund bricht das Kartenhaus zusammen und ich bin in dem Modus in dem ich mich von allem zurück ziehe.

Grade im Berufsleben eine schwierige Situation, plötzlich nicht mehr „voll zu funktionieren. Unberechenbar bisher für Arbeitgeber, Freunde, Familie und auch für mich selbst.

Letzte Woche habe ich einen näheren Einblick in die Muster bekommen, die ich in diesem Moment fahre.

Ein Vorstellungsgespräch lag an, ein Arbeitstermin und der Kontakt mit Fremden Menschen weil ich neue Winterreifen bei Ebay-Kleinanzeigen gefunden hab die ich dringend bräuchte.

Durch das letzte Jahr in dem ich mich mit meinem BewusstSEIN auseinander gesetzt habe, habe ich gelernt Dinge mehr so zu nehmen wie sie kommen. Meine Angst zu „beruhigen“ und im hier und jetzt zu leben. Natürlich mit deutlichen Schwankungen aber stetig erreiche ich eine neue Bewusstseinstufe und somit war es mir überhaupt erst möglich die Termine wahr zu nehmen ohne das „MUSS“ Gefühl welches sich sonst einstellt.

Aufgeregt war ich trotzdem, aber Veränderung erlebe ich seit dem entspannter. Ich kann Aufregung und Angst zu Vorfreude und Neugier transformieren (Nicht immer, aber immer öfter)

Um Sinngemäss „Vera Birkenbihl“ wieder zu geben „Unsere grössten Schwächen können unsere grössten Stärken sein“.

Man kann manche Umstände nicht ändern, aber wie man damit umgeht. Dazu ist es allerdings notwendig, das wir überhaupt erst unsere Schwächen erkennen und akzeptieren.

Die Angst vorm Arbeitsamttermin war diesmal sogar fast nicht vorhanden, stattdessen wollte ich sogar gerne hin um zu klären welche Umschulung für mich in Frage kommen würde. Es war spannend sich auf etwas Neues einzulassen und dieses Gefühl auch zuzulassen.
Das Vorstellungsgespräch hätte mich mit diesem Ablauf „normalerweise“ in ein emotionales Chaos gestürzt, aber diesmal brachte es mich nur etwas zum „schwimmen“.

Durch Tattowierungen und Piercings wird man ja schon bei manchen Chefs reduziert auf etwas Niedrigeres bis hin zu etwas Asozialem. Dieser Gedanke führte mit unter auch dazu, dass ich mich so gefühlt habe. Was ja auch nur runtergebrochen bedeutet das ich mich in diesem Moment so nicht vollständig akzeptiere, sonst könnte mir jemand der mir zufällig im Leben begegnet, mit seinen Worten und Taten nicht dieses Gefühl vermitteln.

Zu der Situation beim Gespräch sollte ich erwähnen, dass der Chef der das Vorstellungsgespräch führte, mich trotz Termin 30 Minuten warten lassen hat.

Im Gespräch musterte er mich merklich und bat mich etwas zu meiner Person zu sagen.

Ich sagte das ich zuverlässig bin, selbstständig arbeite und auch kein Problem habe mich an neue Aufgaben zu wagen.

Wir kamen auf Belastbarkeit und ich sagte, dass ich dies bin.

Irgenwann fragte er mich danach wieso ich öfter nur ein paar Monate irgendwo im Verkauf gearbeitet habe.

Ich sagte ehrlich, dass es teilweise an meinem Arbeitgeber lag und ich nicht sonderlich Glück hatte mit der Wahl meines Arbeitgebers und dazu dann kam, dass ich eine Weile nicht so belastbar war.

Daraufhin legte er meinen Lebenslauf zur Seite und sagte das es 3 Mindestanforderungen für ihn gäbe, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Und wenn ich ihm sagen würde das ich belastbar bin, würde er auch davon ausgehen das ich es bin und das ich es ja scheinbar nicht wäre.

Daraufhin wies ich ihn darauf hin, dass dies eine Weile her sei und sich seit dem einiges geändert hat. Er hatte für sich sichtlich ein „Urteil“ gefällt und ich spürte für einen kleinen Moment wie ich anfing mich immer kleiner zu fühlen.

Dann kam mir in den Sinn, dass er etwas bei mir ankreidete, was er selbst nicht bieten konnte. Wie heuchlerisch von Ihm Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu erwarten und dies selbst nicht bietet, aber wer bin ich um über jemanden zu urteilen?

Daraufhin konterte ich mit „Aber wir sind uns einig, dass sie mir grade nicht etwa unterstellen das ich unehrlich bin.“

Er stutzte und sagte für ein paar Sekunden nichts. Dann sagte er etwas in die Richtung, wie dass es ja schon sehr Auffällig wäre das ich öfter nur kurz in Betrieben gearbeitet habe worauf wir auf meine Krankheitsgeschichte kamen und ich mich genötigt fühlte Preis zu geben, dass ich durch meine posttraumatische Belastungsstörung nicht belastbar war.

Er sagte, dass ich das hätte dann gleich bei seiner Frage zu meiner Person erwähnen sollen.

Auch diese Aussage hätte mich sonst dazu gebracht, mich klein und wertlos zu fühlen. Mir die Schuld zu geben das mein Leben scheisse verlaufen ist.

Dann fiel mir ein, dass ein Arbeitgeber es rein garnichts angeht welche Krankheiten man hat. Nen Scheiss hätte ich erwähnen müssen.

Und somit sagte ich ihm, dass ich der Meinung bin, richtig informiert zu sein, dass der Arbeitgeber keine Fragen zur Krankegeschichte zu stellen hat.

Mir war ab dem Zeitpunkt bewusst, dass ich in diesem Unternehmen mit dieser Einstellung des Chefs, dort nicht glücklich werden würde.

Was mich zu dem Entschluss führte, dass es gut ist das dieses Gespräch so verlaufen ist. Mal abgesehen davon, dass ich in der halben Stunde die ich wartend im Geschäft stand, ein Gespräch von zwei Mitarbeitern mitbekommen habe, aus dem hervor ging dass der einen Mitarbeiterin der Urlaub  wiedermal gestrichen wurde.

Interessant. Rückblickend betrachtet bin nicht ich der Heuchler für den ich mich zwischendurch hielt.

„Normalerweise“ hätte dieses Gespräch dazu geführt das ich spätestens im Auto angefangen hätte mich innerlich zu zerfleischen und mich dafür zu hassen, ein Versager zu sein. Aber diesmal war es anders. Ich stand drüber. Denn seine Haltung hat einzig und allein was mit ihm zu tun. Er kann mich bewerten und er wird es tun, aber für mich in meinem Leben wird dies nichts ändern. Und genau das sollte mir Sicherheit geben und tut es auch.

Zwischendurch kommt eine Welle von Emotionen in der ich mich wieder neu „Ausrichten“/ „Aufrichten“ muss um nicht in den „Traumasog“ zu geraten, aus dem ich immernoch schwer raus komme, wenn auch immer öfter eigenständig.

Der Selbstglaube lässt mich wieder vollständig fühlen. Ich bin gut so wie ich bin. Etwas was ich vorher nie in Betracht gezogen habe.

Klar ist es anstrengend den Mut aufzubringen etwas an seinem eigenen Verhalten zu ändern. Aber was ist auf Dauer anstrengender?

Sich und sein Verhalten zu reflektieren und was zu Ändern oder zu erwarten, dass die Umstände wie von Zauberhand anders werden und sich selbst in seinen Ängsten und Mustern zu verlieren?

Nach diesem Erlebnis kam ich viel ins Nachdenken in wie weit mein Muster mich selbst Klein zu machen mein Leben beeinflusst.

Da fiehl mir mein Nebengewerbe ein in dem ich Kinderbekleidung und Accesoires herstelle. Immer wieder wenn es gut läuft, kommt die Phase in der ich mich wie gelähmt fühle, alles schleifen lasse und nichts mehr dafür tue. Gleichzeitig geisel ich mich selbst mit den Gedanken „klar das du wieder nichts auf die Reihe bekommst“, „Aus dir wird nie etwas werden“ und was für kreative Lügen da in meinem Kopf aufploppen.

Tatsächlich ist mir auch aufgefallen das diese Gedanken, quasi die Stimme in meinem Kopf, die Stimme meines Vaters ist. Die Gedanken werden ausgelöst von der Angst wieder zu versagen, wieder die falsche Entscheidung zu treffen und mein Leben wieder zu verpfuschen. Grade fühle ich beim schreiben genau dies, was mir ja auch irgendwie zeigt, wie sehr ich noch in Ressonanz mit diesen Gedanken bin. Die Identifikation mit diesen Gedanken ist noch sehr stark vorhanden, aber wenn man es erkannt hat, ist es ja schonmal der erste Schritt um etwas Verändern zu können.

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