Der 2. Weihnachtsfeiertag 2016 liegt nun schon über 1 Jahr zurück. Danach entstand der Beitrag Vergeben- Teil 3.0.

Über ein Jahr habe ich nun an meinen Mustern mit meinem Vater gearbeitet und auch zum verarbeiten gebraucht. Doch nun fühlt es sich danach an weiter zu schreiben und ein neues Kapitel zu öffnen und ein altes zu schliessen. Lange habe ich Sitiationen gedreht und gewendet, wie einen Stein den man von allen Seiten begutachtet bevor man glaubt alle Seiten von ihm genau zu kennen.

Wenn ich mit Freunden spreche nennen wir dieses „Überreflektieren“, liebevoll „Steine wenden“. Es werden alle möglichen Aspekte begutachtet und jede mögliche Sichtweise einer Person eingenommen, bevor man zu einem Fazit kommt. Dieses Vorgehen habe ich meiner Empathie zu verdanken. Durch dieses Vorgehen in Kombination mit verschiedenen Meditationen (um einen klaren kopf zu bewahren) lassen mich eine andere Sicht auf die verschiedenen Situationen einnehmen.

Genau dieses habe ich auf die Situationen mit meinem Vater angewandt.

Zu Erinnerung was zwischen mir und meinem Vater steht (Auszug aus „Vergeben – Teil 3.0“):

Er ist eigentlich ein echt lieber Kerl. Nur irgendwie … wie soll ich es beschreiben? ich bringe mal ein paar Beispiele:

  • Als das mit dem Missbrauch raus kam, hat sich mein Vater wohl mit dem Ex meiner Mutter auf ein Bier getroffen… Mein vertrauen ist dadurch nicht grade gewachsen.
  • Irgendwann als ich bei ihm war habe ich ein Gespräch mitbekommen von meinem Vater und seiner damaligen Lebensgefährtin in dem es darum ging, dass meine Mutter eine Schlampe wäre. Oft genug habe ich mitbekommen, dass ich wieder schlampig angezogen wäre und nach Rauch rieche. Auch über meinen abgeplatzten Nagellack haben sie sich schon beschwert als ich klein war. Es war für mich immer sehr erniedrigend. Noch heute wenn ich zu ihm fahre bin ich völlig nervös. Kleine Anekdote dazu…
Vor kurzem auf dem Weg zu meinem Vater ist mir aufgefallen, dass mein Nagellack stark abgeplatzt war. Ich, spät wie immer, werde hektisch, schreie laut „Scheisse“, bekomme sofort von meiner Tochter zu hören „Scheisse sagt man nicht…“ und überlege völlig entnervt, zurück zu fahren und den Schaden zu beheben… Doch dann fällt mir ein, „ich hab noch Nagellack in meiner Tasche“… Fahre mitten im Ort ad hoc neben ran und mir meine Fingernägel noch zu lackieren… Meine Tochter fragte mich dann „was machst du denn jetzt?“
Tja… man bringt seinem Kind bei, dass es gut so ist wie es ist und es sich von Niemandem etwas anderes sagen lassen soll und ist dann in der Zwickmühle, da das Kind einen dabei erwischt hat wie man nicht man selbst ist 😉
Ich bin ehrlich zu meiner Tochter und bestätige sie so oft es geht in dem was sie tut. Ich wäre ein heuchler sie dann anzulügen.
Und siehe da… Ich fahre nun auch mit abgeplatztem Nagellack dort hin. Nicht gerne, da es nahe zu wie ein Zwang ist, alles möglichst „richtig“ zu machen, damit es keine Angriffsfläche gibt.
Das ist das beste Beispiel, wie man Kindern mit unsanften und unbedachten Worten zeigen kann, dass sie nicht gut sind., wie sie sind.
  • Zu meiner Ausbildung zur Diätassistentin, sagte mein Vater „Hättest du nicht etwas Anständiges lernen können? „
  • Kurz vorm Examen, haben wir uns zum Qutaschen getroffen.. Ich erzähle ihm, dass ich gerne psychologie Studiert hätte und am schauen bin ob das irgendwie machbar ist, da ich nciht mal Abi hab. Und mein Vater entgegnet „Schaff erst mal das was du angefangen hast.“
  • Auch ein sehr beliebtes Thema ist, dass mein „noch“ Ehemann und ich öfter und länger arbeitslos waren/sind. Das hat ja auch Gründe… Infos dazu kommen auch noch… Mal abgesehen davon bin ich jetzt seit über einem Jahr Arbeitsunfähig, also Krank geschrieben. Den Grund dafür habe ich schon wie oft erklärt, aber das will er glaube ich einfach nicht hören oder wahr haben. Deshalb fühle ich mich (auch wenn es nett gemeint ist) angegriffen wenn er sagt „Was dir fehlt ist eine Arbeit, die dir Spass macht“… Ja das wäre auch schön, aber das ist nicht so mein Hauptproblem, da ich an sehr vielem Freude habe und mir auch trotz erlerntem Beruf, nicht zu fein bin Klos zu schrubben… Vielleicht ist es halt doch schwerer mit der ganzen Scheisse von Früher umzugehen als so mancher Mensch denkt?
  • Hatte ich Arbeit, kamen Aussagen wie „Ja dann geh aber auch hin… mach es aber auch wirklich…“ Habe ich immer und werde ich immer aber nicht mehr auf Kosten meiner Gesundheit!
  • Auch Tattoos und Piercings sind immer wieder Thema. worüber ich heute noch lachen kann, ist „Aber die Hände und Arme lässt du dir nivht tattoowieren oder? Was ist wenn du mal bei der Bank arbeiten möchtest?“ Ja genau. Ich und bei der Bank arbeiten… Niemals! Alles nur Verbrecher… (ein nettes Video dazu versuche ich unten einzufügen… Das Ganze hat dazu geführt, dass ich in der Hinsicht nicht mehr alles erzähle. Wenn ich eh nur kritisiert werde muss ich niemandem noch „Kanonenfutter“ geben. Vorallem bei einer Sache die meine Sache ist. Aber auch so kommen noch genug Kommentare wie vor kurzem als ich im Krankenhaus lag , „reicht auch langsam mal mit Tattoos“… immer wieder.. und immer wieder…
  • Wie oft kam wegen allem möglichen „Mach keinen Scheiss“… Man setzt ja grade voraus das ich nur Mist mache.

Das sind nur Dinge die mir spontan einfallen. Auch heute noch fühle ich mich überwiegend angegriffen und in Frage gestellt. Ich hätte mir zu meinem Vater ein anderes Verhältnis gewünscht. Seit dem 2. Weihnachtsfeiertag als wir uns getroffen haben, schwankt mein Gemütszustand wieder mehr. Ich merke, dass ich weniger Kraft habe. Es zehrt an mir und ich hab so manches mal hier gesessen und wollte schreiben (zum verarbeiten) und es wollte einfach nicht klappen.

Ich kann nicht beeinflussen wie mein Vater über mich denkt und ich kann nicht genau sagen welche Gefühle er dabei hat wenn er sieht was ich tue.

Wie würde ich mich als Elternteil fühlen wenn meine Tochter ihr Leben nach für mich nicht greibaren Vorstellungen leben würde? Würde ich nicht auch wollen, dass es ihr gut geht? Dass sie glücklich wird?

Würde ich es hinterfragen und sie versuchen zu belehren?

Hätte ich angst das sie ins offene Feuer rennt?

Wahrscheinlich. Klar hat jeder eine andere Art seine Sorgen mitzuteilen.

Wenn ich zu jemandem sage „Fahr vorsichtig“, kann man es als liebevolle Geste sehen die zeigt, dass ich mir Sorgen mache und der Mensch mir viel Wert ist, oder man kann es als Zweifel an seinem eigenen Fahrvermögen beurteilen.

Wie in folgendem Vortrag von „Paul Watzlawick – Wie wirklich ist die Wirklichkeit “ sehr schön anhand des Beispiels mit dem Esel, dargestellt wird in den ersten 5 Minuten).

Die Sicht auf die Dinge ist der Knackpunkt.

Lange habe ich mich angegriffen gefühlt bei den Aussagen meines Vaters.

Aber was, wenn es nur ein Ausdruck seiner Besorgtheit und seiner Liebe zu mir war/ist?

Oder für Ihn ist eben die Sicht auf mein Leben eine ganz subjektive Sicht.

Das würde einiges in ein anderes Licht rücken.

Er wollte/ will vielleicht einfach nur „das Beste“ für mich?

Und was wir für „das Beste “ halten, ist ja völlig Subjektiv.

Mein Vater kann ja nicht meine Wahrnehmung von „das Beste“ kennen.

Für die Einen ist „das Beste“, dass lang ersehnte Eigenheim mit Garten, für den Anderen eventuell regelmäßiges Reisen und/oder ein Auto für das man sich nicht schämen muss.

Meine Vorstellung von Glück und dem „Besten“ ist weder das Eine noch das Andere.

Ich lege keinen Wert auf ein Eigenheim. Es bedeutet für mich, sich Lebenslang zu verpflichten und den Druck zu haben immer funktionieren zu müssen um es auch bezahlen zu können.

Ebenso bei einem super Neuwagen.

Für mich bedeutet ein Auto, frei wählen zu können, wann ich wie, wo hin komme. Es ist für mich ein Gebrauchsgegenstand der seinen Zweck erfüllen soll. Mich zu transportieren und mir Stress mit Bus und Bahn zu ersparen.

Check – Soll erfüllt.

Beim Thema „Reisen“ bekomme ich schlagartig,beim Gedanken daran, Stressdurchfall. Man braucht kein Empathiewunder zu sein um daran zu merken, das Reisen, nicht mein Herzenswunsch ist.

Wenn, sehe ich mich mit einem Van durchs Land reisen, immer mit der Option weiter zu reisen wenn es mir irgendwo nicht gefällt. Frei eben.

Ich bevorzuge eine gemütliche Runde mit meinen Liebsten, am Lagerfeuer mit selbstgemachtem Stockbrot und tiefgründigen Gesprächen. Und im besten Fall, spielt jemand noch auf einer Akustik- Gitarre.

Ich habe einen grossen Drang nach Freiheit und bedingungsloser Liebe.

Wie das kommt, ist mir völlig klar. Ich hatte als Kind keinen besonderen Wunsch für mein Leben. Ich habe mich nie als Astronautin oder Tierärztin gesehen. Ich wollte einfach nur bedingungslos akzeptiert werden und nicht mehr Dinge gegen meinen Willen, tun müssen (wie bei den sexuellen Missbräuchen).

Ich wollte meine Ruhe. Ich wollte frei sein.

Am meisten leide ich unter der Vorstellung, weniger akzeptiert und geliebt zu werden, wenn ich einfach bin wie ich bin. Wenn ich tue was mir gut tut und Spass macht.

Passe ich nicht in das Bild von Anderen, werde ich dem entsprechend behandelt. In der Schulzeit war ich immer die Neue, weil wir oft umgezogen sind. Ich habe versucht mich anzupassen und rein zu passen. Das führte dazu, dass ich mir mein Essensgeld abnehmen ließ und mich verbogen habe. Tun was hilft, um gemocht zu werden.

In Liebesbeziehungen verfolgt mich das Muster ebenso. Ich ließ mich beschimpfen, finanziell ausnehmen & missbrauchen. Siehe die beziehung mit P.B.

Links zu der Vorgeschichte:

Vergeben und Lieben

wake up – mein Aufschlag

When everybody loves me, I will never be lonely,
I will never be lonely.

I’m never gonna be lonely.
I wanna be a lion,
Everybody wants to pass as cats,
We all wanna be big big stars,
but we’ve got different reasons for that,
Believe in me ‚cause I don’t believe in anything,
And I, I wanna be someone to believe.

Immer wieder… immer auf der Suche nach Liebe und akzeptanz.

Aber immer musste ich etwas dafür tun.

Meine Freunde wozu ich auch meinen Ehemann zähle, haben mir gezeigt das sie mich akzeptieren und unterstützen auch wenn ich scheisse baue und mal nicht so funktioniere wie gewohnt. Sie sind geblieben und haben mich immer wieder aufgebaut.

Mir meine Stärken aufgezeigt und mir Mut gemacht.

Immer und immer wieder. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar und gebe ihnen zurück was ich geben kann. Ich bezeichne sie oft als meine „wahre Familie“.

Sie haben mir gelehrt zu meiner eigenen Frequenz zu stehen. Für mich und meine Überzeugungen einzustehen auch wenn diese nicht ihre Überzeugungen sind.

Sie vertrauen in mich und meine Fähigkeiten. Denn sie wissen wer ich bin.

Und haben es mir gezeigt.

Ein wertvoller Mensch der es verdient hat, dass es ihm gut geht.

Jetzt ist es an mir, mir dieses Gefühl täglich selbst zu geben und somit auch meiner Tochter zu lehren, dass sie wundervoll ist wie sie ist und ich sie liebe auch wenn sie mal nicht so funktioniert wie gewohnt.

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