Es ist nun soweit, zum Urkern meiner „Probleme“ durch zu dringen.

Gestern war ich mit meinem Freund spazieren und wir unterhielten uns über unsere Kindheit und damit verbundene Wunden und kamen auf die erste Situation meiner Missbräuche.

Ich wollte mich bewusst an etwas positives erinnern, was mir in der Wohnung des 2. Täters geschehen ist und es blockierte, stattdessen kamen die Erinnerungen an den ersten Übergriff an den ich mich erinnern konnte hoch.

Ich umschrieb was geschehen war und noch mitten im Satz vergass ich was ich sagen wollte.

Dies war mir schon ein paar Mal bei meiner Psychotherapeutin passiert während ich ihr von meiner Kindheit erzählte. Immer wieder setzte ich zum sprechen an und vergass nicht nur was ich sagen wollte, sondern auch was sie gefragt hatte bzw. worüber wir gesprochen hatten.

Im Bruchteil einer Sekunde war alles weg. Mehrmals hintereinander.

Ich fragte wie das sein konnte und sie erklärte mir das der Körper sich wehrt daran zu denken. Ein typischer Verdrängungsmechanismus der zum Selbstschutz dient.

Diesmal nahm ich es mit meinem Freund direkt wahr und ich erinnerte mich an das was meine Therapeutin mir gesagt hatte.

Mein Freund erinnerte mich liebevoll daran, wo ich beim sprechen stehen geblieben war und nach kurzem sammeln, fuhr ich fort.

Ich konnte mich schwer konzentrieren und hatte ein ziemliches Drücken im Kopf. Immer wieder kam ich ins stocken. Wir gingen weiter zum Auto zurück und sprachen weiter.

Dort angekommen, umarmten wir uns lange und ich schaute über seine Schulter hinweg.

Ich schaute in den Himmel und in die Krone eines Baumes.

Etwas geschah… Irgendwas war anders. Es war als würde etwas anderes aus mir raus schauen. Als wäre ich nur Beifahrer in meinem eigenen Körper. Ich wollte mich in diesem Moment einfach nur in meinem Freund vergraben. Ich wollte weg. Zurück in die Sicherheit..

Also sagte ich „Ich will jetzt nach Hause“.

Etwas drängte mich im Inneren, nach Hause zu kommen. Als würde man ein Gewitter aufziehen sehen und tritt schnellst möglich den Heimweg an.

Ich stieg zu Haus aus dem Auto und vor meiner eigenen Hautür erschien mir alles fremd. Alles wirkte leicht bedrohlich. Wir gingen rein und immernoch dieses fremde Gefühl. Wir gingen die Treppe hoch und alles war anders. Ich fühlte mich kleiner. Nicht nur innerlich.

Ich hatte wirklich das Gefühl als wäre ich geschrumpft.

Ich bin mir Bewusst wie bescheuert sich das anhört,aber ich möchte Euch beschreiben, was dort in mir geschah.

Es fühlte sich tatsächlich an als wäre entweder der Boden näher oder meine Beine kürzer. Auch in meiner Wohnung war ich gefühlt, näher am Boden.

Ein kurzes „Irgendwas ist komisch“, ließ meinen Liebsten aufhorchen.

Da es so mega bescheuert war, fragte ich nur „Sag mal… bin ich kleiner geworden? ich fühle mich grade körperlich kleiner…“

Ich ging ins Bad und schaute in den Spiegel. Irgendwas war seltsam. Klar war ich das im Spiegel… Aber irgendwie erkannte ich mich darin nicht… Ich konnte mich mit der Person im Spiegel nicht identifizieren.

Und ich dachte mir in dem Moment

„Jetzt zerschiesst es mir die Matrix…“

Zur Klarstellung: Nein ich hatte nicht getrunken und auch keinerlei sonstige Drogen zu mir genommen.

Ihr könnt Euch dieses Gefühl nicht vorstellen. Als wäre man nicht mehr „man selbst“. Nur zuschauer im eigenen Körper.

Ich sprach mit meinem Liebsten und er sagte „Klar bei dem Thema grade. Ich würde tippen, dass es was mit Trauma bzw. inneres Kind zu tun hat.“

Bingo!

Es machte klick. Ich stand an der Grenze zum Trauma.

Es wurde mir BEWUSST!

Immer wenn ich Dissoziiert habe, habe ich es erst hinterher gemerkt, als ich wieder „klar“ wurde. Mir fehlten dann teilweise ganze Erinnerungen an Gespräche oder wie ich von A nach B gekommen bin.

Diesmal war es anders. Ich spürte wie ich am Berg stand und drohte abzurutschen. Ich spürte was in mir geschah.

In diesem Moment als ich es wahr nahm, begriff ich, dass es für mich soweit war. Die Zeit alles zu erzählen und auf den Grund des Übels zu gehen, war gekommen.

Zeit Dinge zu erzählen und zu verarbeiten.

Somethin‘ filled up
My heart with nothin‘,
Someone told me not to cry.

But now that I’m older,
My heart’s colder,
And I can see that it’s a lie…

Children wake up,
Hold your mistake up,
Before they turn the summer into dust.

______________________________________

Meine Eltern trennten sich als ich ca. 2 Jahre alt war. Meine Mutter war viel Arbeiten und oft waren mein 4 Jahre älterer Bruder und ich bei Oma und Opa mütterlicher Seits.

An jedem 2. Wochenende und in den Ferien war ich bei meinem Vater und seiner neuen Freundin.

Irgendwann lernte meine Mutter einen Mann kennen der sich dann als neuer Freund unserer Mutter raus stellte.

Er kam immer öfter mal zu uns und wir blieben auch in Begleitung unserer Mutter bei ihm über Nacht.

Es war fast wie eine vollständige Familie. Wir Frühstückten morgens gemeinsam und schliefen alle 4 in seinem Bett.

Oft zofften mein Bruder und ich uns, wer auf der Seite von unserer Mutter schlafen darf. Damals dachte ich, es hätte damit zu tun das mein Bruder meine Mutter so lieb hat das lieber er auf ihrer Seite schlafen wollte. Ich für mich selbst wusste ja meinen Grund wieso ich nicht bei dem Freund meiner Mutter schlafen wollte.

Wenn ich heute zurück Blicke, hätte es einem auffallen können.

Allein das dieser, für uns fremde Mann, morgens völlig unbekleidet (unten wie obenrum) am Tisch sass, hätte einem komisch vorkommen können.

Wenn ich bei meinem Vater war, sah ich ihn nie nackt. Naja… Ok. Doch. Als wir in der Sauna waren, ein paar Male.

Aber dieser Fremde sass immer nackt am Frühstückstisch und er ging auch mit mir Baden. Wenn wir bei ihm in seiner Wohnung schliefen, musste immer einer auf seiner Seite schlafen. Das kam mir alles sehr komisch vor. Bei meinem Papa war das alles anders.

Wir waren immer in Begleitung unserer Mutter bei ihrem neuen Freund.

Bis zu diesem Tag…. Tag X

An dieser Stelle möchte ich kurz einfügen, dass folgendes bei betroffenen stark triggern kann, da ich niemanden in eine negative Abwärtsspirale schubsen möchte, kann nun jeder selbst entscheiden, ob er sich stabil genug fühlt um weiter zu lesen.

Wie das Video erahnen lässt ist „Perfect Day“ eher ironisch gemeint.

Ich war allein mit dem Freund meiner Mutter. Wir waren in seiner Wohnung in Blasbach.

Wo meine Mutter und mein Bruder zu dem Zeitpunkt waren, kann ich nicht sagen.

Zur Beschäftigung hatte ich mir von zu Haus wohl eine selbstaufgenommene VHS (Videokassette) mitgebracht. Den Film „Asterix und Kleopatra“.

Diesen wollte ich mir gern anschauen, bekam aber den Film nicht zum laufen. Naja… ich war 5 oder 6 Jahre alt. Ich kenne genügend Menschen über 30 die es immernoch nicht hin bekommen bzw. nicht mal den DVD-Player anschliessen können.

Somit fragte ich den Freund meiner Mutter, ob er mir den Film anmachen kann. Irgendwas funktionierte nicht richtig und musste eingestellt werden. Was genau, weiss ich heute nicht mehr.

Nach einer Weile fuktionierte es dann und ich konnte mir meinen Lieblingsfilm anschauen.

Der Freund meiner Mutter legte sich auf die Couch und bat mich zu sich. Ich legte mich auf Aufforderung dazu und er nahm mich in den Arm.

Erstmal nichts verwerfliches. Wie oft liege ich mit meiner Tochter beim fernsehen Arm in Arm auf der Couch. Nur folgendes geschieht bei uns nicht.

Der Liebhaber und Lebensgefährte meiner Mutter fing an mich am ganzen Körper zu streicheln.

Ich spüre beim schreiben, wie sich in mir Alles zusammen zieht. Mir wird schlecht. Ich bekomme stechende Kopfschmerzen und habe das Gefühl, schlechter zu sehen als vorher.

Ich weiss noch, dass er mir sagte, dass ich meine Hose und auch meine Unterhose ausziehen solle. Danach wird es langsam „dunkel“ in meinem Kopf.

Mein Gesicht fühlt sich beim dem Versuch mich daran zu erinnern, taub an. Es blockiert in mir.

Er fasste mich an. Seine Hand glitt zwischen meine kleinen Kinderbeine.

Ich muss Pause machen beim schreiben. Mir zerreisst es fast den Schädel vor Kopfschmerzen. Mir ist übel. Alles verkrampft sich.

Er holte seinen Penis raus und rieb ihn zwischen meinen Beinen…

Ab da fehlt mir ein Stück an Erinnerung. Als nächstes erinnere ich mich, dass meine Mutter zu ihm in die Wohnung kommt, während ich „unten ohne“ noch auf der Couch liege.

Auf Anfrage meiner Mutter, „wieso ich keine Hose anhabe“, antwortete mein Täter, dass ich in die Hose gemacht hätte. Weiteres weiss ich nicht mehr. Aber was nach hallt, ist ein starkes Ekelgefühl mir selbst gegenüber.

_____________________________________

Ich weiss nicht ob es der erste Übergriff war, aber es ist der Erste von meiner Mutter ihrem damaligen Lebensgefährten, an den ich mich erinnere.

Dies hab ich Jahre später ,genau genommen 2006 bei der Polizei und 2008 vor Gericht, auch Anwäten, psychologischen Gutachtern, dem Richter, vor einer Gruppe Studenten und meinen Angehörigen erzählt, während mein Täter keine zwei Meter zu meiner Linken sass.

DIES… und viele weitere Taten.

Auszug aus der Anklageschrift:

Auszug aus dem Gerichtsurteil:

Advertisements